Die Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika - Ein Überblick

„The only thing new in the world is the history you don’t know.“ – Harry S. Truman

Der Weg in die Freiheit (1607 - 1783)

Wir schreiben das frühe 17. Jahrhundert. Dort wo sich heute das Territorium der Vereinigten Staaten von Amerika befindet, konnte man zu diesem Zeitpunkt noch nicht erahnen, welchen Lauf die Geschichte nehmen würde. Die Existenz des Amerikanischen Kontinents war bereits seit über einem Jahrhundert in der Wahrnehmung der Europäer angekommen, als im Jahre 1607 mit Jamestown die erste dauerhafte britische Kolonie errichtet wurde. Doch der markantere Zeitpunkt, welcher in der amerikanischen Gesellschaft als erster Schritt in Richtung ihres heutigen Staates wahrgenommen wird, findet sich erst einige Jahre später. „Mayflower“ war der Name des Schiffes, auf welchem die heute als Pilgerväter bekannten Siedler im Jahre 1620 in ein neues Leben aufbrachen. An der Küste Neuenglands, genauer gesagt im heutigen Bundesstaat Massachusetts, gründeten sie die Kolonie Plymouth und einigten sich im Rahmen des „Mayflower Compact“, einem Abkommen über die künftige Selbstverwaltung, darauf, sich unter einer selbst bestimmten Regierung zusammenzutun. Dies gilt als der symbolische Grundstein der heutigen USA.

Mit der Zeit kamen immer mehr Siedler in das Land auf der anderen Seite des Ozeans und es bildeten sich weitere Kolonien, welche bereits erste Formen der Demokratie in Form von lokalen Parlamenten etablierten. Die ersten Jahre waren von großen Anstrengungen und Schwierigkeiten geprägt, insbesondere die harten Winter stellten die Siedler vor große Herausforderungen. Ihr Überleben verdankten nicht wenige der lokalen indigenen Bevölkerung, wie etwa dem Stamm der Wampanoag. Dort in Plymouth war es, wo im Jahre 1621 die Tradition des Thanksgiving-Festes seinen Anfang nahm, als die Siedler zusammen mit den Indigenen drei Tage lang eine erfolgreiche Ernte feierten. Doch die gute und freundschaftliche Beziehung zwischen diesen beiden so verschiedenen Kulturen sollte nicht ewig halten und so waren die kommenden Jahrhunderte oft geprägt von kriegerischen Auseinandersetzungen, welche im Zusammenspiel mit den zahlreichen von Europa mitgebrachten Krankheiten zu einer starken Dezimierung der indigenen Bevölkerung führten.

Doch die Indigenen waren nicht die einzigen, zu denen sich die Beziehung mit den Jahren veränderte. Immer mehr bildete sich ein eigenes amerikanisches Bewusstsein heraus, welches der britischen Krone entgegenstand. Dies verschärfte sich besonders, als Großbritannien in Folge der im Siebenjährigen Krieg angehäuften Schulden neue Steuern erhob. All dies geschah während die Kolonien nach wie vor kein wirkliches Mitspracherecht besaßen. Die ohne Zustimmung der Kolonien erhobene Teesteuer im Rahmen der Townshend Acts war schließlich der Auslöser für die „Boston Tea Party“ bei der Protestanten 342 Kisten Tee der britischen Ostindien-Kompanie am 16. Dezember 1773 im Hafen von Boston versenkten. Aus darauf folgenden weiteren Einschränkungen ging 1774 der erste Kontinentalkongress hervor. Dieses Ereignis setzte die Zusammenarbeit der 13 Kolonien endgültig in Gang.

Nach Jahren der Anbahnung eines militärischen Konfliktes begann am 19. April 1775 schließlich der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg mit den Schlachten von Lexington und Concord. Zwei Monate später wurde vom Zweiten Kontinentalkongress die Kontinentalarmee zusammengerufen und George Washington zu deren Oberbefehlshaber auserkoren. Die Verabschiedung der Unabhängigkeitserklärung folgte schließlich am 04. Juli 1776. Die Kampfhandlungen auf dem nordamerikanischen Kontinent sollten noch weitere fünf Jahre andauern, bis der Kontinentalarmee mit französischer Unterstützung der entscheidende Sieg gegen die britische Armee unter General Cornwallis in der Schlacht von Yorktown im Oktober 1781 gelang. Der am 03. September 1783 unterzeichnete Vertrag von Paris brachte den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg formell zu dessen Ende. Entgegen aller Wahrscheinlichkeit hatte eine eigentlich unterlegene Armee deren ehemaligen Kolonialherren bezwungen und damit die eigene Unabhängigkeit endgültig zementiert. Die Türen zu einer demokratischen Zukunft fernab europäischer Fremdbestimmung waren nun geöffnet.

Die Anfänge der Republik (1783 - 1815)

Seit März 1781 waren die ehemaligen 13 Kolonien Massachusetts, New Hampshire, Rhode Island Connecticut, New York, New Jersey, Delaware, Pennsylvania, Maryland, Virginia, North Carolina, South Carolina und Georgia zunächst unter den sogenannten Artikeln der Konföderation geeint. Diese etablierten bereits einen Kongress mit einer Kammer, jedoch noch kein Präsidentenamt, kein Gerichtssystem und auch keine Strukturen zur Erhebung von Steuern oder der Durchsetzung geltenden Rechts. Aus diesem Grund heraus formte sich das Verfassungskonvent in Philadelphia, auf welchem in der Zeit von Mai bis September 1787 eine neue Verfassung erarbeitet werden sollte, welche die Kompetenzen des föderalen Staates deutlich erweitern würde. Dabei wurde die Aufteilung der Staatsgewalt in drei Regierungszweige beschlossen. Die Legislative sollte von einem aus zwei Kammern bestehenden Kongress übernommen werden, dessen Abgeordnete gemäß der Einwohnerverteilung auf die Bundesstaaten gewählt werden sollte. Auch konnte man sich schließlich darauf einigen, dass die Exekutive lediglich auf ein Amt vereinigt werden sollte und formalisierte eine gesamtstaatliche Judikative. Die Verfassung der Vereinigten Staaten ist die älteste noch heute gültige Verfassung der Welt. Im Rahmen der Bill of Rights wurden im Jahre 1791 die ersten 10 Verfassungszusätze ratifiziert, welche den Bürgern bestimmte unveräußerliche Grundrechte sicherten.

Im April 1789 wurde George Washington als ehemaliger Oberbefehlshaber der Kontinentalarmee und Präsident des Verfassungskonvents einstimmig zum ersten Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt. Sein Vizepräsident wurde John Adams. Washington ist bis heute der einzige parteilose Amtsinhaber und setzte eine Reihe wegweisender Präzedenzfälle. Er legte großen Wert darauf, sich klar von der Rolle eines europäischen Monarchen abzugrenzen und verweigerte deshalb eine dritte Kandidatur für die Wahl des Jahres 1796, womit er den bis 1941 ungebrochenen Präzedenzfall setzte, nicht länger als zwei Amtszeiten zu dienen. Auch zementierte er die Autorität der Bundesregierung als er 1794 einen bewaffneten Aufstand gegen eine bundeseinheitliche Spirituosensteuer beendete, indem er die in Richtung Pittsburgh entsandte Miliz selbst anführte. Auch ernannte er verschiedene Minister, eine Praxis, welche nicht von der Verfassung vorgeschrieben wird.

Während Washington’s achtjähriger Amtszeit begannen sich alsbald jedoch die ersten beiden politischen Parteien zu bilden. Diese spiegelten die zu diesem Zeitpunkt vorherrschenden Meinungsverschiedenheiten im Hinblick auf grundsätzliche Fragen über die Rolle der Regierung wieder. Zum einen formte sich die Föderalistische Partei, welche insbesondere von Gründervater und Finanzminister Alexander Hamilton sowie von Vizepräsident John Adams geprägt wurde. Sie vertrat die Ansicht, dass es eine starke Regierung mitsamt zentralisierter Wirtschaftspolitik und einem Fokus auf die Industrie benötige und war außenpolitisch klar Großbritannien zugewandt. Dem entgegen positionierte sich die Demokratisch Republikanische Partei unter der Führung der beiden späteren Präsidenten Thomas Jefferson und James Madison. Sie trat allen voran für die Befugnisse der Bundesstaaten ein, um den Einfluss der Zentralregierung zu limitieren, und war eher der Agrarwirtschaft verbunden. In außenpolitischer Hinsicht vertrat sie die Auffassung, sich eher Frankreich zuwenden zu müssen. Immer wieder standen sich zu dieser Zeit die Hauptakteure beider Parteien in Grundsatzentscheidungen gegenüber, wie auch im wegweisenden Kompromiss von 1790. Hierbei nahm der industriellere Nordosten die Positionierung der künftigen Bundeshauptstadt am Potomac Fluss in Kauf (zuvor Philadelphia), um im Gegenzug Hamilton’s Forderung einer Übernahme der Schulden der Bundesstaaten durch die Vereinigten Staaten durchzusetzen. 

Aufgrund des damaligen Wahlsystems, bei dem der Kandidat mit den meisten Stimmen Präsident und derjenige mit den zweitmeisten Stimmen dessen Vizepräsident wurde, folgte John Adams im Jahre 1797 auf George Washington als zweiter Präsident, mit Jefferson als Vizepräsident. Nicht selten äußerte sich Jefferson entgegen der Aussagen seines Präsidenten, was die Freundschaft zweier der wichtigsten Gründerväter lange fast endgültig zerbrechen ließ. Jefferson selbst triumphierte schließlich jedoch im Jahre 1800 über Adams und wurde vier Jahre später sogar wiedergewählt, was in den USA die Ära des „Jeffersonschen Republikanismus“ einläutete. Seine Präsidentschaft stand insbesondere im Zeichen des Louisiana Purchase, bei dem die Vereinigten Staaten das Louisiana-Territorium von Frankreich unter der Herrschaft von Napoleon Bonaparte für rund 15 Mio. Dollar erwarben und ihr Territorium damit verdoppeln konnten.

Infolge der großen Gebietserweiterung startete im Mai 1804 in St. Louis die Expedition von Lewis und Clark an den Pazifik, um neue Kenntnisse über den nordamerikanischen Kontinent, seine Flora und Fauna sowie über die in den Gebieten bis zum Pazifik lebenden indigenen Völkern zu sammeln. Zu selbiger Zeit begann eine allmähliche Besiedelung gen Westen, nachdem beispielsweise Ohio im Jahre 1803 als Bundesstaat aufgenommen wurde. 

Während dieser Jahre des Wachstums begannen sich die Verhältnisse auf dem europäischen Kontinent zu verändern. Infolge der Französischen Revolution und dem Aufstieg Napoleons kam es schließlich zu mehrjährigen kriegerischen Auseinandersetzungen, die napoleonischen Kriege. Die USA unter Präsident Jefferson und ab 1809 unter Präsident Madison führten ihren Handel mit Frankreich jedoch fort, ganz zum Unmut Großbritanniens. Sowohl Frankreich als auch Großbritannien verhingen im Laufe des Krieges Handelsblockaden, um den Handel zwischen neutralen Staaten und dem Gegner zu unterbinden. Diese Handelsblockade durch Großbritannien im Jahre 1807, welche die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten aus Sicht Washingtons in Frage stellte, führte in Verbindung mit der Entführung und anschließenden Einberufung in die Royal Navy von amerikanischen Seeleuten durch die Briten zum Krieg von 1812. Am 18. Juni 1812 erklärte der Kongress Großbritannien den Krieg und eröffnete Kampfhandlungen gegen Kanada. Der Krieg endete schließlich durch den Vertrag von Gent, welcher am 24. Dezember 1814 unterzeichnet und am 17. Februar 1815 ratifiziert wurde. Durch diesen wurden die territorialen Verhältnisse von vor dem Krieg wiederhergestellt. Damit konnte sich zwar keine der Kriegsparteien als der Sieger der Auseinandersetzung bezeichnen, sich erneut gegen den Bezwinger Frankreichs behauptet zu haben, konnte jedoch als Erfolg gewertet werden.

Washington in Flammen: 

Einer der berühmtesten Momente des Krieges von 1812, als die Briten nach der Einnahme Washingtons das Weiße Haus und das Kapitol in Brand steckten.

Das Formen einer neuen Großmacht (1815 - 1848)

Als Folge des Krieges von 1812 und der damit einhergehenden Einheit innerhalb der Amerikanischen Bevölkerung traten die Vereinigten Staaten in eine Zeit ein, die allgemein als „Era of Good Feelings“ bezeichnet wird. Diese beschreibt in etwa die Jahre während der Präsidentschaft von James Monroe und war insbesondere von geringem politischen Konflikt als Resultat der Auflösung der föderalistischen Partei nach der Wahl von 1816 gekennzeichnet. In diesen Jahren regierte die demokratisch republikanische Partei nahezu konkurrenzlos, was sich 1820 in einem der deutlichsten Wahlergebnisse der US-Geschichte niederschlug. Innenpolitisch ist neben der Wirtschaftskrise von 1819 der Missouri Compromise zu erwähnen. Dieser regelte die Aufnahme von Maine als freier Bundesstaat und von Missouri als für die Sklaverei zugelassener Bundesstaat in die Union. Außerdem wurde dadurch in den übrigen Territorien des Louisiana Purchase, welche sich nördlich des 36. Breitengrades befanden, die Sklaverei verboten. In Punkten Außenpolitik wurde 1823 durch die Monroe Doktrin die Kolonialisierung des amerikanischen Kontinents für beendet erklärt und die USA bekräftigten, jeglichen europäischen Bemühungen in der westlichen Hemisphäre entgegenzutreten. Gleichzeitig verstand man sich auf eine Neutralität der Vereinigten Staaten in Hinblick auf sämtliche Geschehnisse auf dem europäischen Kontinent.

Im Laufe der folgenden Jahre begann sich allmählich ein neues Parteiensystem zu entwickeln. Die heutige Demokratische Partei wurde von Andrew Jackson, der 1828 zum Präsidenten gewählt wurde, aus der Demokratisch Republikanischen Partei heraus geformt, welche sich in mehrere Gruppierungen aufteilte. Jackson’s Wahlsieg läutete eine neue Ära ein, welche die USA für gut zwei Jahrzehnte prägen sollte und heute als „Jacksonian Democracy“ bezeichnet wird. Mit ihr einher ging der Glaube, die Ausrichtung des politischen Systems wäre dem einfachen Bürger entzogen worden, da lediglich weiße Männer, welche Land besaßen oder Steuern zahlten, das Wahlrecht ausüben konnten. Unter Jackson wurde dies nach und nach überholt und von den Bundesstaaten über die Jahre auf ein Wahlrecht für alle weißen Männer ausgeweitet. Auch fußte der Gedanke der Manifest Destiny in den Jahren seiner Präsidentschaft, wonach es den Amerikanern bestimmt sein sollte, ihr Territorium in Richtung des Pazifiks auszuweiten. Eine solche Expansionspolitik wurde zu einem der Kernpunkte der Demokratischen Partei. Aufgrund von Bedenken der Korruption in Entscheidungen der Zweiten Nationalbank sowie wegen einer in der Partei weitergeführten Skepsis gegenüber zentralstaatlichen Institutionen, war auch jene Zweite Nationalbank und das Ziel deren Beschränkung einer der wichtigsten Punkte auf der Agenda der neu geschaffenen Partei. Dem entgegen bildete sich 1833 die Whig Partei, welche ähnlich wie die föderalistische Partei zuvor eher auf einen stärkeren Zentralstaat setzte und von der Regierung finanzierte Projekte zur Verbesserung der Infrastruktur durch Eisenbahnstrecken und der Wirtschaft vorantreiben wollte. Die Partei setzte sich zudem für die Zweite Nationalbank ein, vertrat eine Wirtschaftspolitik hoher Zölle und stand Jackson’s Expansionspolitik skeptisch gegenüber, was insbesondere Mitte der 1840er Jahre zum Streitthema wurde.

Neben der Neuausrichtung des politischen Systems kam es in dieser Periode der amerikanischen Geschichte jedoch auch zum Beginn neuer Bemühungen, das Land der indigenen Bevölkerung für die Besiedelung durch US-Amerikaner zu gewinnen. Infolge des Indian Removal Act von 1830 wurden indigenen Stämmen, insbesondere des Südostens der USA, Rechte an Gebieten westlich des Mississippi zugesprochen, wenn diese dafür ihre Heimat verlassen würden. Häufig weigerten sich die Indigenen jedoch, schließlich kannten sie diese ihnen versprochenen Regionen nicht, während sich das von ihnen bis dato besiedelte Land gut zur Landwirtschaft eignete und sie dort über gefestigte Institutionen verfügten. Im Rahmen dessen wurden einige dieser Stämme durch den Einsatz militärischen Zwanges umgesiedelt, wie etwa der Stamm der Cherokee, welche letztlich entlang des „Trail of Tears“ („Tränenpfad“) ihren Weg gen Westen antreten mussten.

Die 1840er Jahre sind das Jahrzehnt, in welchem sich das Territorium der USA so sehr vergrößerte, wie zu keiner anderen Zeit in der Geschichte. Seitdem die Republik Texas im Jahre 1836 ihre Unabhängigkeit von Mexiko erlangt hatte, stand die von den Texanern herbeigesehnte Annexion durch die USA im Raum. Nachdem diese von Seiten der USA jedoch lange wegen Bedenken hinsichtlich der Veränderung der Balance im Kongress (Verhältnis von freien Staaten zu Sklavereistaaten) aufgeschoben wurde, begannen erste Schritte unter Präsident John Tyler. Dieser begann im April 1844 einen Vertrag mit Texas auszuhandeln, welcher wenige Tage vor dem Ende seiner Präsidentschaft im Februar 1845 schließlich vom Kongress bestätigt wurde. Nach der Annahme des Vertrages durch die Texaner, wurde Texas am 29. Dezember 1845 offiziell zum 28. Bundesstaat der USA. Mit der Aufnahme von Texas in die Union verschärften sich aber auch weiter die Spannungen zu Mexiko, welche sich mit den USA weder über den genauen Grenzverlauf einigen konnten, noch erfreut über die im eigenen Land verbotene Sklaverei waren, welche in Texas praktiziert wurde.

Nachdem eine Verhandlung über den Kauf weiterer Gebiete nördlich des Rio Grande durch die Vereinigten Staaten von Seiten Mexikos abgelehnt worden waren, sendete der neue Präsident James Polk Truppen unter dem Kommando von General Zachary Taylor in das umstrittene Gebiet zwischen den jeweils von den USA und Mexiko als Grenzverlauf betrachteten Flüssen. Dies provozierte die mexikanischen Truppen und bewegte sie letztlich zu einem Angriff im April 1846, worauf die Vereinigten Staaten Mexiko den Krieg am 13. Mai 1846 erklärten. Der Mexikanisch-Amerikanische Krieg verlief für die USA weitestgehend problemlos und war durch Erfolge unter General Taylor auf dem Weg zur Eroberung Monterrey’s sowie durch General Winfield Scott nach dessen Landung in Veracruz gekennzeichnet. Die Kampfhandlungen endeten schließlich mit dem Fall von Mexiko Stadt im September 1847 und fünf Monate später wurde der Vertrag von Guadalupe Hidalgo geschlossen. Durch diesen erwarben die Vereinigten Staaten die Gebiete der heutigen Bundesstaaten von Kalifornien, Utah, Nevada, Arizona und New Mexico sowie Teile der heutigen Staaten Colorado und Wyoming für eine Summe von gut 15 Mio. US-Dollar. Zu diesen Gebietsgewinnen kam 1846 durch den Oregon Kompromiss das Territorium der heutigen Bundesstaaten Washington, Oregon und Idaho hinzu, nachdem sich die USA mit Großbritannien auf die endgültige Festlegung des Grenzverlaufes entlang des 49. Breitengrades geeinigt hatten.

Die dunkelsten Stunden der Republik (1848 - 1865)

Die neuen Landgewinne der letzten Jahre vergrößerten das Territorium der USA so stark wie nie zuvor, doch brachten sie gleichzeitig auch alte Fragestellungen erneut zum Vorschein. Nachdem sich die Bevölkerung Kaliforniens infolge der ersten Entdeckung von Goldvorkommen Anfang 1848 rapide zu erhöhen begonnen hatte, rückte auch eine Eingliederung in die Union als 31. Bundesstaat näher. Das Problem der Sklavereifrage, welches gut 30 Jahre zuvor mit dem Missouri Compromise geklärt worden zu sein schien, sorgte nun erneut für Diskussionen. Eine Teilung des Konsens hierüber begann sich allmählich zu verschieben, von einer Spaltung entlang der Parteilinien hin zu einer Uneinigkeit zwischen den Nord- und den Südstaaten. Der sogenannte Wilmot Proviso, nach dem Abgeordneten David Wilmot aus Pennsylvania, schlug vor, die Sklaverei in allen durch die Abtretung Mexikos gewonnenen Gebieten zu verbieten, also auch in Kalifornien. Die Südstaatler standen diesem Vorschlag jedoch entschieden entgegen, da dies die Gewichtung des Senates zugunsten der freien Staaten hätte fallen lassen, weshalb es nie zu einem Abschluss kam. Zahlreiche Debatten und Drohungen über eine potentielle Sezession von Seiten einiger Vertreter der Südstaaten endeten vorerst im Kompromiss von 1850. Dieser legte unter anderem die Aufnahme Kaliforniens als freier Staat in die Union fest, regelte aber mit einem strikteren Sklavenrückholgesetz, dass Nordstaatler bei der Rückführung entflohener Sklaven zu deren Besitzern mithelfen mussten und stellte eine Beihilfe zur Flucht oder auch nur die Unterlassung besagter Kooperation unter Strafe. Eine Sezession konnte vorerst abgewendet werden, doch ein zukünftiger Konflikt offenbarte sich als unvermeidbar. 

Einige Sklavenhalter versuchten in den folgenden Jahren weiterhin, die Institution der Sklaverei über die bisherigen Gebiete hinaus zu verbreiten. Mehrfach wurde versucht, den Spaniern die Insel Kuba mit ihrer großen Sklavenbevölkerung abzukaufen, um diese als neuen Sklavereistaat in die Union aufnehmen zu können. Darüber hinaus führten einige private Söldner, sogenannte „Filibuster“, Operationen gegen andere Länder Mittelamerikas durch, mit dem Ziel, diese zu erobern und die Sklaverei wieder einzuführen. Gleich dreimal versuchte dies William Walker, der zum ersten Mal 1855 in Richtung Nicaraguas aufbrach und dort sogar eine Zeit lang als einer von mehreren Präsidenten fungierte, wofür er sich die Anerkennung vieler Südstaatler verdiente. Die Interessenskonflikte innerhalb der Vereinigten Staaten begannen sich ob jener und weiterer Unternehmungen stetig zu verschlimmern, was insbesondere die Politik in schwierige Situationen brachte und folglich nicht selten zu fatalen Fehlentscheidungen führte.

Im Rahmen eines wachsenden Bedarfes an Farmland westlich der Staaten Iowa und Missouri, erkannten einige Demokraten die Gelegenheit, die Gebiete der heutigen Staaten Kansas und Nebraska zu organisieren und gleichzeitig die Parteianhängerschaft hinter der Sklavereifrage zu einen. Das Territorium sollte in der Folge in zwei Gebiete geteilt werden und die Entscheidung über die Legalität der Sklaverei weder zugunsten der einen noch der anderen Seite getroffen werden, sondern in Selbstbestimmung von den dort lebenden Bürgern gefällt werden. Damit stellte der Gesetzesentwurf eine Überholung des Missouri Compromise dar, schließlich befinden sich die Gebiete nördlich der Markung entlang des 36. Breitengrades. Am 30. Mai 1854 unterzeichnete Präsident Franklin Pierce den Kansas-Nebraska Act, nachdem dieser vom Kongress in einer Abstimmung verabschiedet wurde, welche das bisherige Parteiensystem endgültig zerbrechen ließ. Um sich einheitlich gegen die Ausbreitung der Sklaverei zu organisieren wurde 1854 die Republikanische Partei gegründet, was das Ende der Whig Partei und den Beginn eines neuen Parteiensystems nach sich zog.

Nachdem sich die Sklavereifrage in der ersten Hälfte der 1850er Jahre weitestgehend friedlich erörtern ließ, begannen die Konfliktparteien in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts, zu Gewalt als letztes Mittel zu greifen. Der Kansas-Nebraska Act sorgte dafür, dass Bürger aus allen Ecken des Landes nach Kansas strömten, in dem Versuch, das Kräfteverhältnis vor dem Hintergrund künftiger Abstimmungen und Wahlen auf die eigene Seite zu verschieben. Hierbei kam es über mehrere Jahre hinweg zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, wie auch dem Pottawatomie Massacre, bei dem fünf Südstaatler vom Sklaverei-Gegner John Brown und dessen Söhnen in ihrem Zuhause entführt und anschließend brutal ermordet wurden. Dies ereignete sich, nachdem Senator Charles Sumner infolge einer gegen die Sklaverei gerichteten Rede vom Abgeordneten Preston Brooks, dessen Cousin Sumner mitunter beleidigt hatte, mit einem Spazierstock fast zu Tode geprügelt worden war. Drei Jahre später begab sich selbiger John Brown auf eine weitere gewagte Mission. Er hatte geplant das Bundesarsenal in Harpers Ferry, Virginia mit einigen seiner Mitstreiter zu überfallen und die dort gelagerten Waffen an Sklaven zu verteilen, von denen er hoffte, sie würden sich seiner versuchten Revolution anschließen. Eine entsprechende Mobilisierung der schwarzen Bevölkerung blieb jedoch aus und Bundestruppen unter dem späteren General der Konföderierten Robert E. Lee schlugen den Überfall nieder. Brown wurde zum Tode verurteilt und noch im selben Jahr gehängt, was ihm bei vielen Abolitionisten den Status eines Märtyrers einbrachte.

Es gibt jedoch noch ein weiteres Ereignis, welches zusammen mit dem Kansas-Nebraska Act als wohl schwerwiegendstes Ereignis zu Gunsten der Sklaverei in den 1850er Jahren zählt. In den 1830er Jahren war Dred Scott als einer der Sklaven seines Herren mit diesem von Missouri nach Illinois gezogen und hatte dort eine Frau kennengelernt, welche er auch heiratete. Später jedoch zogen seine Besitzer wieder zurück und nahmen Scott und dessen Ehefrau mit sich. Eine in den 1840er Jahren begonnene Serie an Klagen, ursprünglich gegen die Witwe seines ehemaligen Herren, gelangte schließlich 1857 vor den Supreme Court. Die Entscheidung im Falle Dred Scott v. Sandford stellt eine der schlechtesten Entscheidungen in der Geschichte des Obersten Gerichtes der Vereinigten Staaten dar. Dieser entschied nämlich, dass ein Sklave durch einen mehrjährigen Aufenthalt in einem freien Staat wie Illinois nicht die Freiheit erlangen könne, Afroamerikaner allgemein niemals Staatsbürger der USA werden und demnach auch nicht vor Bundesgerichten klagen könnten, und erklärte darüber hinaus die Beschränkung der Sklaverei im Rahmen des Missouri Compromise für verfassungswidrig.

All diese Ereignisse führten letztendlich zur Stärkung der Republikanischen Partei, die keine Gelegenheit versäumte, die der Sklaverei positiv gegenüberstehenden demokratischen Regierung unter Präsident James Buchanan vehement zu kritisieren. In der Debatte über die Aufsetzung einer Verfassung für Kansas spaltete sich die Demokratische Partei endgültig, da die Demokraten der Nordstaaten nicht mehr bereit waren, die extremen Vorstellungen der Südstaatler hinsichtlich der Sklaverei mitzutragen. Folglich stellten die Demokraten für die Präsidentschaftswahl 1860 gleich zwei Kandidaten auf, Stephen Douglas für die Nordstaaten und Vizepräsident John Breckinridge für die Südstaaten. Diese Aufteilung der Wählerschaft resultierte unvermeidbar in der Wahl des Republikaners Abraham Lincoln aus Illinois, der sich den Erhalt der Union und die Verhinderung einer weiteren Ausbreitung der Sklaverei als Ziel setzte. Als Reaktion auf die Wahl Lincoln’s fühlten sich einige Südstaatler bedroht und am 20. Dezember 1860 trat South Carolina als erster Staat aus der Union aus. Zehn weitere Staaten sollten ihnen bis Mai 1861 folgen.

Mit der Sezession der elf Südstaaten stand das Überleben der Union so sehr auf dem Spiel wie nie zuvor. Die Bedrohung der Institution der Sklaverei durch die Republikanische Partei um Präsident Lincoln wurde von den austretenden Staaten als Grund für ihr Handeln angeführt. Sie erklärten, dass die Rechte der Bundesstaaten beschnitten werden würden und sahen ihren Austritt als ihr gutes Recht im Rahmen der Selbstbestimmung. Die Vereinigten Staaten standen dieser Auffassung entgegen und waren der Ansicht, dass ein solcher Austritt nicht von der Verfassung vorgesehen sei und es sich demnach um eine Rebellion handele. Die ausgetretenen Südstaaten hingegen kamen im Februar 1861 in Montgomery, Alabama zusammen und gründeten die Konföderierten Staaten von Amerika und wählten Jefferson Davis zu ihrem Präsidenten.

Nachdem Unionstruppen unter Robert Anderson einige Zeit lang Fort Sumter im Hafen von Charleston bemannt hatten, begannen die Vorräte im Frühjahr des Jahres 1861 zu Neige zu gehen. Anderson bat deshalb um die Versorgung mit Nachschub, um den Fort nicht evakuieren zu müssen. Nachdem die Aufforderung zur Aufgabe Fort Sumters von Seiten der Konföderierten abgelehnt worden war, eröffneten Soldaten der Konföderierten am Morgen des 12. April 1861 erstmals das Feuer auf ihre einstigen Landsleute. Der Bürgerkrieg zwischen der Union und den Konföderierten Staaten hatte begonnen. Die Ziele der beiden Seiten waren von vornherein klar und sehr verschieden. Die Union sah sich in der Pflicht, die Einheit der Nation wiederherzustellen, was einen direkten militärischen Sieg über den Süden erforderte. Der Süden hingegen hatte lediglich seine Unabhängigkeit zu bestätigen, also so lange dem Druck der Union standzuhalten, bis diese den neuen Stand der Dinge ob der untragbaren Opfer akzeptierten.

Auf beiden Seiten traten schon bald Führungspersönlichkeiten zum Vorschein, die den Krieg auf dem Schlachtfeld prägen sollten, so wie es andere daneben taten. Auf Seiten der Union ist Ulysses S. Grant als erster Name anzuführen, welcher im Laufe des Konfliktes innerhalb von drei Jahren vom Militärischen Adjutanten in Illinois zum Oberbefehlshaber der Unionsarmeen aufstieg, einem Rang, welchen bis dato nur George Washington errungen hatte. Ebenfalls von großer Bedeutung waren William T. Sherman, Philip Sheridan, George Meade sowie George H. Thomas. Aus den Rängen der Konföderierten sticht wohl kein General so sehr heraus wie Robert E. Lee, der von Juni 1862 an die Army of Northern Virginia kommandierte und zwei Monate vor Ende des Krieges zum Oberbefehlshaber aller Armeen der Konföderierten wurde. Doch auch neben Lee sind einige Generäle besonders zu nennen, wie etwa Thomas „Stonewall“ Jackson, James Longstreet, Albert Sidney Johnston und Joseph E. Johnston.

Während des ersten Jahres war die Kriegsbereitschaft auf beiden Seiten allgemein sehr hoch und die von Lincoln angeforderten Truppenkontingente konnten ohne Probleme mit Freiwilligen befüllt werden. Die ersten Schlachten des Bürgerkrieges verzeichneten zudem deutlich geringere Opferzahlen als im späteren Kriegsverlauf und viele Soldaten fühlten sich geehrt dieser noblen Sache ihre Dienste erbringen zu dürfen. Die Kriegshandlungen teilten sich schnell in einen Schauplatz im Westen, mit Fokus der Kampfhandlungen um den Mississippi herum, und einen im Osten des Landes, insbesondere mit vielen entscheidenden Manövern und Schlachten um die neu entstandene Grenze zwischen den Staaten Maryland und Virginia. Als Wendepunkt in der Wahrnehmung des Krieges wird oft die Schlacht von Shiloh im April 1862 gesehen, welche eine Brutalität aufwies, die dem Norden aufzeigte, dass der Konflikt nicht so schnell zu einem Ende gebracht werden konnte, wie zu Anfang angenommen.

Die brutalste Schlacht des Krieges, welche nämlich die meisten Opfer an einem einzigen Tag forderte, war jedoch die Schlacht von Antietam am 17. September 1862. Diese Auseinandersetzung ist nicht nur aus einer militärischen, sondern auch aus einer viel weitreichenderen Perspektive heraus von großer Relevanz gewesen. Es war der erste große Sieg der Union nach einem zermürbenden Sommer gewesen und Abraham Lincoln erkannte dies als passende Gelegenheit, um die Emanzipationsproklamation zu erlassen, welche am 01. Januar 1863 in Kraft treten würde. Durch diese würden als ursprünglich reine Kriegsmaßnahme vorerst alle Sklaven der Konföderation die Freiheit erlangen und freie Afroamerikaner der Nordstaaten künftig für den Kriegsdienst zugelassen sein. Doch die hoffnungsvolle Stimmung hielt nicht lang und der Winter 1862/63 brachte erbitterte Schlachten und große Niederlagen für die Union mit sich. In der Folge wurden vermehrt jene Stimmen lauter, welche den Kriegsbemühungen Lincoln’s entgegenstanden und Verhandlungen mit der Konföderation aufnehmen wollten, um eine Wiedervereinigung zu erreichen. Den Wendepunkt brachte der Sommer 1863. Im Westen erreichten die Streitkräfte unter General Grant am 04. Juli die Eroberung von Vicksburg, wodurch die Union sich die Kontrolle über den gesamten Flussverlauf des Mississippi sicherte und das Gebiet der Konföderierten essenziell in zwei Hälften teilte. Die Armee des Potomac erlangte unter General George Meade einen entscheidenden Sieg gegen Lee in der Schlacht von Gettysburg und konnte damit die gegnerischen Truppen, die so weit wie nie zuvor ins eigene Territorium vorgedrungen waren, zurückdrängen.

Nachdem Grant im März 1864 das Oberkommando über alle Armeen der Union übernommen hatte, begann im Mai eine Serie einheitlich koordinierter Feldzüge, welche der Union letztlich den Sieg bringen würde. Im Fokus standen dabei insbesondere die Kampagne von der Military Division of the Mississippi unter dem Kommando von Sherman gegen Atlanta und die Overland Campaign in Virginia unter Grant und Meade. Erstere endete mit dem Fall Atlantas am 02. September 1864 und Sherman’s darauf folgendem March to the Sea bis nach Savannah, welche das Territorium der Konföderierten erneut teilte. In Virginia endete der Feldzug nach einer Serie verlustreicher Schlachten, wie in der Wilderness oder in Cold Harbor, schließlich mit dem Fall von Petersburg im Süden Richmond’s nach monatelangen Grabenkämpfen im März 1865. Die Aufgabe von Petersburg und Richmond zwangen Lee schlussendlich zur Kapitulation in der finalen Schlacht von Appomattox Court House am 09. April 1865. Der verlustreichste Krieg in der Geschichte der Vereinigten Staaten war vorüber.

Die USA in Wandel und Wiederaufbau (1865 - 1877)

Die Konföderation endete letztendlich mit der Kapitulation Lee’s am 09. April 1865, doch das Ende des Kampfes um die Befreiung der schwarzen Bevölkerung war noch lange nicht erreicht. Der 13. Verfassungszusatz, vom Kongress am 31. Januar 1865 verabschiedet und letztlich am 06. Dezember ratifiziert, beendete die Praxis der Sklaverei im gesamten Gebiet der Vereinigten Staaten. In den folgenden fünf Jahren wurde den Afroamerikanern durch den 14. Verfassungszusatz die Staatsbürgerschaft zugesprochen und der 15. Verfassungszusatz gestand ihnen letztlich auch das Wahlrecht zu. Der als Befreier der Sklaven in die Geschichtsbücher eingegangene Abraham Lincoln konnte diese Erfolge jedoch nicht erleben. Am 14. April 1865, nur wenige Tage nach dem Sieg über die Südstaaten, wurde Lincoln vom Sklavereigegner John Wilkes Booth bei einer Theatervorstellung in Washington erschossen. Die Anfangsphase des Wiederaufbaus musste folglich von seinem Vizepräsidenten, Andrew Johnson, begleitet werden, der am darauffolgenden Tag vereidigt wurde.

Die Eingliederung der Schwarzen in die Bevölkerung gestaltete sich oftmals als schwierig und begann bereits während dem Krieg. Ähnlich wie die Emanzipationsproklamation wurde auch der spezielle Feldbefehl Nr. 15 von General Sherman als Kriegsmaßnahme im Januar 1865 wirksam. Das Ziel dieses Befehles war es, ehemaligen Sklaven der Südstaaten eine Grundlage für den Aufbau einer Existenz zu verschaffen, indem diesen fruchtbare Länder in den Bundesstaaten South Carolina, Georgia und Florida zugesprochen wurden. Oftmals handelte es sich hierbei um Länder, welche zu ehemaligen Plantagen gehörten, und die nun in Einheiten von 40 acres an die schwarze Bevölkerung vergeben wurden. Nach langen Kongressverhandlungen wurde außerdem das sogenannte Freedmen’s Bureau gegründet, welches sich um die Hilfe für ehemalige Sklaven kümmern sollte. Dies erfolgte zumeist in Form von Lebensmitteln, medizinischer Versorgung aber auch durch Bildungsprogramme und war zunächst für ein Jahr bewilligt worden. Als ein Gesetzesvorschlag über die Verlängerung dessen Anfang 1866 den Schreibtisch von Präsident Johnson erreichte, legte der sein Veto darüber ein. Erst nach weiteren Anpassungen und einem erneuten Veto des Präsidenten konnte der Kongress die Verlängerung durch eine Zweidrittelmehrheit gegen Johnson’s Veto durchsetzen. Große Teile der schwarzen Bevölkerung erfuhren jedoch keine großen Verbesserungen mit Hinblick auf ihr Arbeitsleben. Ob ihrer Mittellosigkeit waren sie gewissermaßen gezwungen, weiter auf den Plantagen ihrer ehemaligen Sklavenhalter zu arbeiten und die geringe Vergütung und schlechten Arbeitsbedingungen in Kauf zu nehmen.

Neben der Eingliederung der schwarzen Bevölkerung musste nach und nach auch die Wiederaufnahme der aus der Union ausgetretenen Staaten geklärt werden. Mit dem Voranschreiten der Unionsarmeen kamen insbesondere mit Hinblick auf Staaten wie Tennessee bereits während des Bürgerkrieges erste Diskussionen auf. Die Wade-Davis Bill von 1864 schlug als Voraussetzung für die Wiederaufnahme eines Bundesstaates in die Union vor, dass 50% der wahlberechtigten Bürger dieses Staates einen Schwur leisten müssten, sich niemals freiwillig an einer Rebellion gegen die USA beteiligt zu haben. Lincoln hingegen war an einer Quote von lediglich 10% als Voraussetzung hierfür interessiert, weshalb der Gesetzesentwurf schließlich in einem „Pocket Veto“ verendete. Die endgültige Lösung fand man schließlich in den Reconstruction Acts von 1867. Diese unterteilten die zehn ausgetretenen Staaten mit Ausnahme Tennessee’s (Wiederaufnahme bereits 1866) in fünf Militärdistrikte, welche jeweils bis auf weiteres von hochrangigen Offizieren der Union regiert wurden. Zur Wiederaufnahme mussten diese Bundesstaaten durch eine entsprechende Konvention eine neue Verfassung erarbeiten, den 14. Verfassungszusatz ratifizieren und männlichen Afroamerikanern das Wahlrecht zusprechen. Auch dieses Gesetz wurde über das Veto von Johnson hinweg verabschiedet und sorgte für eine vollständige Aufnahme aller ausgetreten Staaten bis zum Jahre 1870.

Trotz der vollständigen Wiederherstellung der Union und der Verabschiedung mehrerer Gesetze zum Schutze der Rechte von Afroamerikaner kam es im Süden nach wie vor zu gewaltsamen Angriffen auf die schwarze Bevölkerung. Die Unterdrückung dessen gestaltete sich als schwierig, da sich die Zahl der in den Südstaaten stationierten Soldaten von etwa einer Million am Ende des Bürgerkrieges noch im selben Jahr auf ca. 150.000 reduzierte und in den folgenden Jahren eine konsequente Durchsetzung der Bürgerrechte unmöglich machte. Als einer der Höhepunkte jener Aggressionen gilt das Colfax Massacre am 13. April 1873, bei dem eine gut bewaffnete Gruppe weißer Männer die hauptsächlich aus Schwarzen bestehende Miliz Louisiana’s um das Gerichtsgebäude in Colfax angriff und dabei um die hundert von ihnen brutal ermordete. Ein großer Teil der Opfer wurde erst nachdem sie sich bereits ergeben hatten erschossen oder auf andere Art hingerichtet. Teilweise mit organisiert wurde diese Unternehmung vom Ku Klux Klan, welcher 1865 als Reaktion auf das Ende des Bürgerkrieges gegründet wurde und im Geheimen Operationen gegen die schwarze Bevölkerung durchführte.

Im Rahmen dieser Zeit begannen sich die Vereinigten Staaten auch strukturell und wirtschaftlich zu verändern. Die Erschließung des Westens wurde insbesondere durch den Homestead Act und den Pacific Railway Act von 1862 vorangetrieben. Ersterer ermöglichte es Staatsbürgern für geringe Geldsummen Ländereien von 160 acres zu erwerben. Sollten sie diese für fünf Jahre erfolgreich bewirtschaften, so würden die Rechte an diesem Land offiziell an sie übergehen. Letzteres Gesetz ermöglichte den Bau der ersten Eisenbahnverbindung vom Missouri bis zum Pazifik durch Landzuschüsse und Kredite an Eisenbahnunternehmen. Die Strecke wurde schließlich am 10. Mai 1869 in Promontory Summit in Utah fertiggestellt und stand als Symbol für die Besiedelung des Westens. Doch auch diese Investitionen in sämtliche Eisenbahnstrecken des Landes führten zusammen mit dem Gründerkrach von 1873  zu einer schlimmen Wirtschaftskrise, geprägt durch den Bankrott zahlreicher Banken und der ersten Schließung der New York Stock Exchange, die fast das gesamte restliche Jahrzehnt anhielt.

Abseits der Südstaaten rückten auch die indigenen Völker in den westlichen Territorien wieder in den Fokus der Regierung. Im November 1864 war es am Sand Creek im heutigen Colorado zu einem das Leben von über 200 Indigenen fordernden Massaker gekommen, als Bundesstruppen dort ein Lager der Cheyenne und Arapaho entdeckten und diese ohne jedwede vorangegangene Provokation angriffen. Nach weiteren ähnlichen Zwischenfällen in den darauffolgenden Jahren wurde 1867 die Indian Peace Commission gegründet, um durch den Schluss von Verträgen mit den Stämmen einen langfristig auf Frieden ausgelegten Plan zu verfolgen. Einer dieser Verträge war jener von Medicine Lodge, welcher einige Stämme wie die Comanche und die Kiowa von ihrem groß angelegten Territorium in den Great Plains auf Reservate im heutigen Oklahoma begrenzte. Im Gegenzug versprach man ihnen unter anderem Lebensmittel und Schutzmaßnahmen. Aus dem Krieg gegen einen Verband von Stämmen unter der Führung von Red Cloud, welcher von 1866 bis 1868 um die Gebiete des Powder River und der Black Hills geführt wurde, ging der Vertrag von Fort Laramie hervor. Dieser sprach nach einem Triumph der Indigenen eben jenes Territorium den verschiedenen Stämmen wie den Lakota zu und verbot jegliche Besiedelung durch US-Amerikaner. Nachdem General Grant 1868 zum neuen Präsidenten gewählt wurde und damit das Zepter der Reconstruction in die Hand gereicht bekam, setzte die Regierung zunehmend auf eine friedliche Herangehensweise, die von Koexistenz und Assimilation der Indigenen in die Kultur der Vereinigten Staaten geprägt sein sollte. Diese wenig erfolgreichen Versuche endeten jedoch nachdem in den Black Hills Gold entdeckt wurde und das Gebiet schließlich doch für Siedler freigegeben wurde. Es kam zum Great Sioux Krieg um die Verdrängung der Lakota aus jenem Territorium. Diesen gelang unter der Führung von Sitting Bull und Crazy Horse ein historischer Sieg gegen die Truppen unter General George Custer in der Schlacht von Little Bighorn im Juni 1876. Bewaffnete Auseinandersetzungen und eine stringente Politik der Assimilation sollten noch bis etwa 1890 anhalten.

Nachdem die letzten Wahlen friedlich verlaufen waren, kam es 1876 zu einer der am meisten umstrittenen Wahlen der US Geschichte. Der Republikaner Rutherford B. Hayes setzte sich letztlich gegen den Demokraten Samuel Tilden durch, mit einem Unterschied von einer Wahlmännerstimme und weniger Stimmen in der Bevölkerung. Aufgrund von Unklarheiten über die Gültigkeit von Stimmen in den Staaten South Carolina, Florida und Louisiana entschied schließlich eine gesonderte Kommission über deren Stimmen und sprach nach der Aberkennung einiger Stimmen für die Demokraten Hayes den Sieg zu. Um jedoch Verzögerungen und Widerstand durch den demokratischen Kongress zu vermeiden, einigte man sich auf einen folgenschweren Kompromiss. Hayes versprach, die letzten zum Schutz der Bürgerrechte Schwarzer im Süden stationierten Truppen abzuziehen, während die demokratischen Regierungen der Südstaaten versicherten, die Wahlrechte der Schwarzen zu schützen. Die Truppen wurden abgezogen, doch die Demokraten brachen ihr Versprechen und die Anzahl republikanischer und schwarzer Amtsträger in den Südstaaten schwand in der Folge von Einschränkungen des Wahlrechtes weiter. 1877 stellt damit das Ende der sogenannten Reconstruction dar und zugleich den Anfang der Unterdrückung schwarzer Wähler in den Südstaaten bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Die USA im Wandel (1877 - 1896)

Die Zeit nach der Reconstruction sah einen grundsätzlichen Wandel in der amerikanischen Gesellschaft, sowohl in Bereichen der Industrie als auch in Politik und Bevölkerung. In den Jahren des sogenannten „Gilded Age“ begann die Wirtschaftsleistung der Vereinigten Staaten stark zu wachsen. Die größten Zugpferde dieses Wachstums waren die Eisenbahnen, die Stahlindustrie sowie der Ölsektor. Dieses Wachstum führte jedoch durch die anfängliche Abwesenheit von staatlicher Regulierung zur Entstehung von Monopolen. Die wohl einflussreichsten waren die Standard Oil Company von John D. Rockefeller, die Carnegie Steel Company, die New York Central and Hudson River Railroad under dem Eisenbahn-Tycoon Cornelius Vanderbilt sowie der Aufstieg von J. P. Morgan im Finanzsektor. Auf der anderen Seite kam es auch zu großer Armut, welche insbesondere durch eine starke Bevölkerungswanderung in die Städte begünstigt wurde. Viele dieser Städte waren zu dieser Zeit vom Leben in sehr kleinen Wohnungen in speziell für Einwanderer genutzten Mietshäusern geprägt, welche aufgrund von schlechten sanitären Anlagen die allgemeine hygienische Situation negativ beeinflussten. Nachdem in den 1850er Jahren insbesondere Einwanderer aus Irland und Deutschland die Vereinigten Staaten erreichten, waren es nun jene Einwanderer aus Italien und Osteuropa, welche einen Wandel in der Gesellschaft vorantrieben.

Ob dieser Situation entstanden auch erste große Arbeiterbewegungen und Gewerkschaften wie die Knights of Labor, welche für eine gerechtere Verteilung der Gewinne, aber auch für bessere Arbeitsbedingungen und den 8-Stunden-Tag eintraten. Im Rahmen einer erneuten Lohnsenkung durch die Baltimore and Ohio Railroad kam es 1877 zum ersten großen und landesweiten Streik, dem Eisenbahnerstreik von 1877. Dies war der Beginn von mehreren Jahren des Arbeitskampfes, dessen Aktivisten zum Teil auch auf anarchistisches sowie kommunistisches Gedankengut vom europäischen Kontinent zurückgriffen. 1886 kam es erneut zu einem großen Eisenbahnerstreik, dieses mal hauptsächlich gegen die Eisenbahnunternehmen unter Jay Gould. Im selben Jahr kam es in Chicago zu einer Explosion am Haymarket Square, als jemand mit Dynamit auf die zur Auflösung einer dortigen Versammlung eingesetzten Polizisten warf. Die Polizisten eröffneten daraufhin das Feuer und sowohl Polizisten als auch Aufständische kamen ums Leben, was final auch zur Verurteilung zum Tode von sieben mehr oder weniger beteiligten Anarchisten führte. Diese Events des Jahres 1886 erwiesen sich für die Knights of Labor jedoch als Misserfolg und leiteten das Ende ihrer Relevanz unter den größten Arbeiterorganisationen ein.

Es gab jedoch neben den Arbeitern noch eine weitere Bevölkerungsgruppe, welche während dieser Zeit zunehmend begann, mehr Rechte für sich einzufordern. Um die Rechte der Frauen auszudehnen, wurden im Jahre 1869 zwei Frauenrechtsorganisationen gegründet, welche zum Teil auch sich unterscheidende Ziele verfolgten. Die National Woman Suffrage Association (NWSA) wurde von Susan B. Anthony und Elisabeth Cady Stanton gegründet, während Lucy Stone die American Woman Suffrage Association (AWSA) auf den Weg brachte. Beide hatten das Frauenwahlrecht als oberste Zielsetzung, jedoch war die NWSA radikaler in ihren Ansichten als die konservativere AWSA und sprach sich zum Beispiel auch gegen den 15. Verfassungszusatz aus, da dieser lediglich schwarzen Männern das Wahlrecht zusprach, Frauen jedoch außen vor ließ. Ebenfalls machte die 1874 von Frances Willard gegründete Woman’s Christian Temperance Union (WCTU) auf die Notwendigkeit eines Frauenwahlrechts aufmerksam. Zusätzlich trat die WCTU für den Schutz des Zuhauses ein. Das Bild der Heimat und der Familie war eines der wichtigsten Leitbilder der meisten Amerikaner im späten 19. Jahrhundert und einige Frauen sahen dieses durch übermäßigen Alkoholkonsum der Männer, der Wirtschaftskrise geschuldetem Wegziehen der Männer zur Arbeitssuche und durch Praktiken wie der Polygamie sowie durch pornografische Medien gefährdet. Sie brachte schließlich auch die Debatte über die später eingeführte Prohibition auf den Weg und kämpfte für ein Verbot der Polygamie, welche insbesondere in Utah von Mitgliedern der mormonischen Kirche praktiziert wurde. Trotz der Differenzen zwischen den verschiedenen Organisationen, erreichten sie im Verbund noch im 19. Jahrhundert die Einführung des Frauenwahlrechts in den Territorien Wyoming und Utah sowie im Staat Colorado.

Auch in Washington führten all jene Bewegungen des späten 19. Jahrhunderts zu Debatten über mögliche Regulierungen von Monopolen oder auch der Bekämpfung während der 1870er Jahre vorherrschender Korruption. Die Republikanische Partei, welche von 1861 bis 1885 dauerhaft den Präsidenten stellte, teilte sich mit den reformoffenen Half-breeds und den Reformen ablehnend gegenüberstehenden Stalwarts selbst in zwei rivalisierende Lager. Nachdem mit James Garfield im Jahre 1881 zum zweiten Mal in der US Geschichte ein Präsident durch ein Attentat verstarb, unterschrieb dessen Nachfolger Chester Arthur 1883 den Pendleton Civil Service Act, welcher die Grundlage für die Einstellung von Bundesbeamten änderte. Diese sollten nun gemessen an ihren Qualifikationen und nicht mehr wie zuvor aufgrund ihrer parteipolitischen Loyalität eingestellt werden. 1882 trat zudem der Chinese Exclusion Act in Kraft, der als Reaktion auf die besonders im Westen erstarkte Sinophobie Chinesen für zehn Jahre die Einreise und den Erwerb der Staatsbürgerschaft verweigerte. Um eine zu starke Monopolisierung in den größten Sektoren der US Wirtschaft zu limitieren, verabschiedete der Kongress 1890 den Sherman Antitrust Act, welcher den freien Handel stärken und jegliche Maßnahmen zur Monopolisierung verbieten sollte.

Die Jahre des Gilded Age waren geprägt von sowohl Reichtum als auch Armut, insbesondere die Südstaaten konnten nicht mit den Einkommenssteigerungen der Nordstaaten konkurrieren. Das Ende dieser Zeitspanne markierte zudem den Eintritt in das nächste Parteiensystem. Während der zweiten Amtszeit von Präsident Grover Cleveland (1893 – 1897) brach erneut eine Wirtschaftskrise aus, welche für teils stark fallende Preise sorgte und insbesondere bei den Landwirten im Westen für Unruhe sorgte. Viele sahen die Einführung von Währung in Silber als die notwendige inflationäre Lösung, wie auch der Präsidentschaftskandidat der Demokraten im Jahre 1896, William Jennings Bryan. Anders als Cleveland gehörte er nicht der fiskalisch konservativen Schiene seiner Partei an, die am Goldstandard festhalten wollte und gegen staatliche Regulationen wie hohe Zölle oder Subventionen auftrat. Er verlor die Wahl gegen den Republikaner William McKinley, welcher eine Kampagne basierend auf einer Politik hoher Zölle, einer Fortführung des Goldstandards und einem außenpolitisch erstarkenden Imperialismus fuhr. Die Vereinigten Staaten bewegten sich auf eine außenpolitische Zeitenwende zu.

Ein neuer Spieler auf der Weltbühne (1896 - 1932)

Drei Jahre gewaltsamen Konfliktes zwischen kubanischen Revolutionären und den spanischen Kolonialherren waren vergangen, als am 15. Februar 1898 die USS Maine im Hafen von Havanna aus ungeklärten Gründen explodierte und sank. Aufgrund brutalen Vorgehens der Spanier gegen die kubanische Bevölkerung und der Sorge über die dortigen Unruhen so nah am eigenen Land erkannten die USA Kuba als unabhängigen Staat an und der Kongress gewährte McKinley militärische Mittel, um diese Unabhängigkeit notfalls durchzusetzen. Eine Blockade Kuba’s führte schließlich zur spanischen Kriegserklärung gegen die Vereinigten Staaten. Der Spanisch – Amerikanische Krieg spielte sich hauptsächlich um Kuba herum sowie im Pazifik ab, wo die USA während des Krieges offiziell ihren Machtanspruch zementierten. Nach nur etwa vier Monaten der Kampfhandlungen wurde im August ein Waffenstillstand beschlossen und mit dem Vertrag von Paris am 10. Dezember 1898 das Ende des Krieges formalisiert. Kuba wurde ein unabhängiger Staat unter der Schirmherrschaft der USA. Außerdem wurden den Amerikanern Guam und Puerto Rico abgetreten und der Kauf der Philippinen für eine Summe von 20 Mio. US Dollar realisiert.

Noch vor Ratifizierung des Vertrages im Februar 1899 brachen jedoch plötzlich Kämpfe zwischen US amerikanischen Truppen und philippinischen Unabhängigkeitskämpfern in Manila aus. Diese hatten bereits unter der spanischen Kolonialherrschaft einer unabhängigen philippinischen Republik entgegen gestrebt und wollten nicht lediglich einen Wechsel in der herrschenden Kolonialmacht sehen, sondern weiterhin auf ihre Unabhängigkeit bestehen. Der von Guerillakämpfen geprägte Philippinisch – Amerikanische Krieg dauerte schließlich drei Jahre an und sorgte bei vielen Amerikanern für Beunruhigung, da sie hierin ein klares Indiz für den von ihnen befürchteten Aufstieg eines amerikanischen Imperialismus sahen. Die Philippinen erlangten ihre endgültige Unabhängigkeit erst 1946, nachdem diese zwischenzeitlich von Japan erobert worden waren. Eine weitere wichtige Ergänzung zum Territorium der Vereinigten Staaten gelang zudem mit der Annexion von Hawaii im Jahre 1898, nachdem das Hawaiianische Königreich 1893 bei einem Coup umgestürzt worden war und die daraus entstandene Hawaiianische Republik auf jene Annexion hinzuarbeiten begann.

Im Jahr 1901 kam Präsident McKinley bei einem Attentat ums Leben und als jüngster Amtsinhaber der Geschichte des Präsidentenamtes folgte Theodore Roosevelt ihm in seinen außenpolitischen Bemühungen. Er folgte einer von ihm als „Diplomatie des großen Knüppels“ bezeichneten Außenpolitik und setzte im Rahmen dessen auf friedliche und diplomatische Bemühungen, welche aber gleichzeitig von nicht kriegerischen Demonstrationen militärischer und wirtschaftlicher Stärke untermalt werden sollten. Unter dieser Strategie ließ er die Navy der Vereinigten Staaten ausbauen. Unter seiner Präsidentschaft halfen die USA Panama bei deren Bemühungen, ihre Unabhängigkeit von Kolumbien zu erlangen und erwarben in der Folge 1903 das Recht auf eine Zone des Staatsgebietes von Panama, in der von 1904 bis 1914 der Panama Kanal errichtet werden würde. Als sich einige europäische Staaten verärgert über Versäumnisse lateinamerikanischer Staaten wie etwa die ausbleibende Begleichung ihrer Schulden zeigten, intervenierte Roosevelt um einen Konflikt abzuwehren und erklärte, dass die Vereinigten Staaten künftig selbst in jenen lateinamerikanischen Staaten eingreifen würden, um etwaige Probleme zu beseitigen und militärische Auseinandersetzungen zwischen jenen Staaten und Europa zu vermeiden. Diese Erklärung wird allgemein als das Roosevelt – Korollar bezeichnet, da es gewissermaßen einen Zusatz zur Monroe Doktrin von 1823 darstellte.

Nicht nur in der Außenpolitik begann Theodore Roosevelt neue Maßstäbe zu setzen. Auch brach mit seiner Präsidentschaft ein neues Zeitalter in der Beziehung der Regierung zur Innenpolitik an. Roosevelt selbst betonte, er glaube an eine starke Exekutive, er glaube an Macht. In diesem Sinne erklärte er, dass sein Amt genutzt werden sollte, den Interessen der Bürger nachzugehen und dieses vollumfänglich im Rahmen der Verfassung auszunutzen. Damit führte er eine progressive Politik fort, die als Ziel hatte, Verbraucher zu schützen, Kartelle zu bekämpfen und die Umwelt besser zu erhalten. Im Rahmen dessen wurden um die 93 Mio. Hektar Land verstaatlicht und teils unter Schutz gestellt sowie 5 Nationalparks und 150 nationale Wälder geschaffen. Die ersten Jahre des 20. Jahrhunderts waren trotz allen Bemühungen nach wie vor von großen Unternehmen geprägt, in die sich 1903 die Ford Motor Company einreihte. Gründer Henry Ford revolutionierte in seiner Firma die gesamte Fertigungstechnik durch die Einführung der Fließbandfertigung im Jahre 1913, welche er perfektioniert hatte. Die Wirtschaft bewegte sich hin zu einer immer kleinteiligeren Zerstückelung des Produktionsprozesses, was sich sehr positiv auf die Produktivität auswirkte und Spezialisierung der Arbeiter begünstigte. In der Folge erhöhte Ford auch die Löhne seiner Angestellten und senkte den Preis seiner Modelle, um zum Teil auch seine eigenen Mitarbeiter zu einem Kauf zu bewegen. Das Zeitalter der Massenproduktion war angebrochen.

Abseits des Amerikanischen Kontinents begannen sich die Verhältnisse jedoch bereits seit einigen Jahren zu verschlechtern. Am 28. Juli 1914 brach schließlich der Erste Weltkrieg aus, nachdem einen Monat zuvor der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajewo ermordet worden war. Im Krieg zwischen der Triple Entente bestehend aus Frankreich, Großbritannien und Russland sowie den Mittelmächten aus Deutschland, Österreich-Ungarn, dem Osmanischen Reich und Bulgarien versprachen die USA zunächst, Neutralität zu wahren. Bereits am 07. Mai 1915 hatte ein deutsches U-Boot die RMS Lusitania versenkt, ein Ozeandampfer auf dem sich auch US Amerikaner befanden, von denen 128 ums Leben kamen. Aufgrund deutscher Vorsicht in der darauffolgenden Zeit, hielten sich die USA zunächst jedoch weiterhin zurück, auch weil Präsident Woodrow Wilson die Stimmen der so dringend für die Wiederwahl 1916 benötigten deutsch stämmigen Amerikaner nicht verlieren wollte. Im Januar 1917 verkündete Deutschland jedoch, künftig auch Handelsschiffe angreifen zu wollen, welche sich in Kriegszonen aufhielten und versank in den folgenden Monaten mehrere solcher Schiffe unter US amerikanischer Flagge. Als dann auch noch ein Telegramm zwischen dem deutschen Staatssekretär in der deutschen Botschaft in Washington D.C., Arthur Zimmermann, und dem deutschen Gesandten in Mexiko abgefangen wurde, welches eine mögliche Allianz mit Mexiko und Japan im Falle eines Kriegseintritts der USA vorschlug, änderte Wilson seine Meinung genauso wie ein Großteil der Bevölkerung und bat den Kongress um die Kriegserklärung gegenüber Deutschland, die am 06. April 1917 erfolgte.

Der Eintritt der Vereinigten Staaten in den Ersten Weltkrieg stellte das vorübergehende Ende der Isolationspolitik dar und sah zum ersten Mal in der Geschichte den Einsatz amerikanischer Soldaten auf dem europäischen Kontinent. Da die U.S. Army nur um die 100.000 Soldaten umfasste, als die USA Deutschland den Krieg erklärten, wurde am 18. Mai 1917 der Selective Service Act of 1917 erlassen, durch welchen es zum ersten Mal seit dem Bürgerkrieg zum verpflichtenden Einzug von Truppen kam. Dadurch wurden bis zum Ende des Krieges etwa 2,8 Mio. Soldaten für den Einsatz in Europa einberufen. Der Kriegseintritt der USA kam für die Alliierten zum genau richtigen Zeitpunkt, da die Februarrevolution und das damit verbundene Ende der Zarenherrschaft die Kriegsbemühungen Russlands massiv schwächten, wodurch den Mittelmächten mehr Ressourcen für die Westfront entstanden. Nachdem die Einberufung und Ausbildung der Truppen zunächst etwas Zeit beanspruchte, erreichte die Zahl in Europa stationierter Truppen im Juli 1918 die Marke von einer Million, welche in Verbindung mit der riesigen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, dem Einsatz der amerikanischen Flotte zur Entlastung Großbritanniens und den diplomatischen Bemühungen Wilsons zum Ende des Krieges durch den Waffenstilstand von Compiègne am 11. November 1918 beitrugen. Präsident Wilson hatte mit dem von ihm verkündeten 14 – Punkte – Plan zum Erreichen des offiziellen Kriegsendes mit dem Vertrag von Versailles vom 28. Juni 1919 einen maßgeblichen Beitrag geleistet, wenn auch ob der Intention einer möglichst harten Bestrafung Deutschlands nicht alle seiner Leitgedanken inkludiert wurden.

Mehr als 116.000 US – Amerikaner verloren im Ersten Weltkrieg ihr Leben. Nach dem Sieg über die Mittelmächte wandten sich die USA jedoch wieder einer verstärkten Isolationspolitik zu. Bezeichnend dafür war die Gründung des Völkerbundes im Jahre 1920, welcher zwar von Wilson als Teil seines 14 – Punkte – Planes zur Sicherung von Frieden durch Abrüstung und Diplomatie vorgeschlagen worden war, dem die USA selbst jedoch nie beitraten. Ebenfalls spiegelte sich dies durch wesentliche politische Durchbrüche bestimmter Interessensgruppen wieder. Nachdem in erster Linie protestantische Vertreter sowie auch Frauenorganisationen wie die WCTU seit Jahrzehnten gegen den in ihren Augen für die Gesellschaft schädlichen Alkoholkonsum, insbesondere von Männern, eingetreten waren, erreichten sie ihr Ziel schließlich mit dem 18. Verfassungszusatz, der im Jahre 1919 ratifiziert wurde. Dieser verbot nach Ablauf eines Jahres nach der Ratifizierung die Herstellung, den Verkauf und den Transport von alkoholischen Getränken in den Vereinigten Staaten sowie deren Import und Export. Ein Ziel welches verfolgt wurde, um Ausschreitungen und Kriminalität zu reduzieren und Frauen in ihrem Zuhause mehr Schutz zu sichern, entwickelte sich jedoch im Endeffekt genau in die andere Richtung. Da mit den Saloons die üblichen Begegnungsorte wegfielen, fanden sich einige im Geheimen zusammen, um dem Genuss von Alkohol bei gleichzeitigem Austausch weiterhin nachgehen zu können. Ein großer Schwarzmarkt florierte daraufhin mit illegal hergestellten alkoholischen Getränken, welche aufgrund der fehlenden Regulierung nicht selten gesundheitsschädliche Stoffe beinhalteten. Die Stimmung begann über die Jahre allmählich zu kippen, da ein großer Teil der Steuereinnahmen weggefallen war und insbesondere nach Einsetzen der Großen Depression keine Gelder zur Durchsetzung des Verbotes entbehrt werden konnten. Die Zeit der Prohibition endete im Jahre 1933 mit der Ratifizierung des 21. Verfassungszusatzes, welcher den 18. vollständig aufhob.

Die 1910er sowie 1920er Jahre können zugleich als großer Triumphzug der ausgeweiteten Demokratie in den Vereinigten Staaten bezeichnet werden. Bereits 1913 war es gelungen, die Senatswahlen dahingehend näher an den Bürger zu bringen, als dass durch den 17. Verfassungszusatz nicht länger die Parlamente der Bundesstaaten für die Wahl ihrer Senatoren zuständig waren, sondern diese nun direkt von der Bevölkerung gewählt wurden. Der größte Erfolg ereignete sich jedoch erst im Jahre 1920 mit der Ratifizierung des 19. Verfassungszusatzes. Dieser gestand Frauen endgültig das Wahlrecht zu. Afroamerikanische Frauen sollten in der Ausübung ihres Wahlrechtes zwar noch fast ein halbes Jahrhundert lang unterdrückt werden, doch mit diesem Erfolg war das große Ziel von vielen Jahrzehnten des Engagements von Organisationen wie der NAWSA erreicht worden.

Die 1920er Jahre brachten für die Vereinigten Staaten großes wirtschaftliches Wachstum und ein sich stark veränderndes Bild der Freizeit. Auch als die Roaring Twenties bezeichnet, sorgten die 20er Jahre für eine weite Verbreitung des Automobils in der Bevölkerung, angetrieben insbesondere von einigen wenigen Unternehmen wie Ford, Chrysler und General Motors. Zunehmend begannen auch das Kino, neue Musikrichtungen wie Jazz oder auch vermehrte Flugreisen Einzug in die Freizeit der Amerikaner zu finden. Trotz einem gewissen Aufstreben kommunistischer Bewegungen, inspiriert durch die Oktoberrevolution in Russland, blieb die politische Ausrichtung in den 20er Jahren fest in konservativer Hand, da nach dem Ende der Amtszeit Wilson’s im Jahre 1921 für das gesamte restliche Jahrzehnt nur Republikaner das Präsidentenamt bekleiden sollten. Präsident Calvin Coolidge, der nach dem Tod des eher umstrittenen Präsidenten Warren Harding ins Weiße Haus einzog war sinnbildlich für eine konservative Politik in Hinblick auf wirtschaftliche und finanzielle Aspekte, in die er bewusst wenig einzugreifen gewillt war. In der Folge begannen die Amerikaner ob der guten wirtschaftlichen Lage auch entsprechend höhere Summen an der Börse zu investieren und der Wert vieler Aktien stieg bis zum Ende des Jahrzehnts an. Aufgrund dieser Überspekulation kam es jedoch am 24. Oktober 1929 zum Black Thursday, an dem die US Börse 11% an Wert verlor, gefolgt von weiteren großen Verlusten in der darauffolgenden Woche. Der US Börsencrash läutete den Beginn der Großen Depression ein. Investoren verloren ihr Interesse an Investitionen und sorgten mit der damit einhergehenden niedrigeren Finanzierung sowie allgemein sinkenden Ausgaben für Konsumgüter für einen starken Abfall in der Produktion und damit auch für hohe Arbeitslosigkeit, die im Jahre 1933 auf gar 25% anstieg. Die Schließung mehrerer Banken eliminierten weiterhin die Ersparnisse und damit die Kaufkraft vieler Menschen, was in einer Art Abwärtsstrudel resultierte. Zusätzlich sorgte die sogenannte „Dust Bowl Era“ in den 1930er Jahren für massive Ernteausfälle in den Great Plains aufgrund von langer Dürre und ungünstig angepasster Landwirtschaft und brachte auch das Problem der Migration von etwa 2,5 Mio. Menschen aus dieser Region mit ins Spiel. Durch die globalisierte Wirtschaft und den Goldstandard, welcher internationale Währungen aufgrund der starken Deflation bedrohte, erreichte die Krise auch den europäischen Kontinent. Mit dem Smoot-Hawley Tariff Act von 1930 versuchte Präsident Herbert Hoover durch die Erhöhung von Einfuhrzöllen auf ein Rekord-Niveau die nationale Wirtschaft zu schützen, was jedoch in Gegenzöllen resultierte, welche den internationalen Handel weiter reduzierten und die Lage weiter verschärften.